Gendiagnostikgesetz, Richtlinien, KFQA – Wieviel Qualität muss beim Vaterschaftstest sein?

(Hamburg, 22.08.2012) Der Markt für Vaterschaftstests und andere Abstammungsgutachten ist über die Jahre immer unübersichtlicher geworden. Und trotz der Einführung höherer Qualitätsstandards mit dem Gendiagnostikgesetz (2010) und neuen Richtlinien der GEKO (2012) gibt es immer billigere Angebote. Leider ist dem Papier, auf dem der Gutachtentext am Ende steht, nicht immer anzusehen, ob auch alle erforderlichen und sinnvollen Maßnahmen zur Qualitätssicherung getroffen wurden. Daher möchten wir kurz erläutern, welcher Standard sich bei uns im Laufe der letzten 3 Jahrzehnte entwickelt, etabliert und bewährt hat.

Qualität beim Vaterschaftstest: Qualifikation, erweiterter Untersuchungsumfang und Doppelbestimmung sichern einen hohen Qualitätsstandard

Einige der Maßnahmen, die bei uns seit vielen Jahren im Standardgutachten dazugehören haben nun 2012 mit den neuen Richtlinien der GEKO endlich – zumindest teilweise – Berücksichtigung gefunden. Die drei zentralen Punkte für einen sicheren Vaterschaftstest sind hierbei die Qualifikation des Sachverständigen, der erweiterte Untersuchungsumfang und die Sicherheitsmaßnahmen (z.B. Identitätssicherung, Probenversand, Beweiskette) bei der Probenentnahme. Leider konnten wir in den Beratungen zum Gesetz und zu den Richtlinien nicht alle unsere Verbesserungsvorschläge durchsetzen, die wir sowohl persönlich als auch über unsere Fachgesellschaft als Stellungnahme eingebracht haben. Dadurch hebt sich unser Standardgutachten aber auch heute noch vom Mindeststandard der Richtlinien u. a. durch einen noch größeren Untersuchungsumfang, die Qualifikation und Fortbildungsnachweise unserer Sachverständigen (Stichwort ‚KFQA‘)  und eine grundsätzliche Doppelbestimmung (nicht nur im Ausschlußfall) ab.

Qualifikation kann durch eine unabhängige Kommission nachgewiesen werden

Gerade die Qualifikation und Fortbildung des Sachverständigen hat mit den neuen Richtlinien einen höheren Standard erreicht. Leider konnten wir nicht erreichen, dass die KFQA in den Richtlinien als zuständige Kommission verankert wird, die diese Qualifikation unabhängig prüfen könnte. Durch eine weitgehende Anpassung der in den Richtlinien definierten Fortbildungsinhalte für Abstammungsgutachter an die von der DGAB heraugegebene Fortbildungsordnung für den Fachtitel ‚Fachabstammungsgutachter(in) DGAB‘ sind aber gute Voraussetzungen dafür gegeben, dass sich der Fachtitel der DGAB als Nachweis einer umfassenden fachlichen Qualifikation etablieren kann. In jedem Fall empfehlen wir bereits seit 2004, auf den Nachweis der erfolgreichen Prüfung durch die KFQA bei der Auftragsvergabe für einen Vaterschaftstest zu achten. Die unabhängige Bestätigung der Kompetenz des Sachverständigen durch die KFQA erspart Ihnen, die Anforderungen an die Fortbildungsinhalte selbst einzeln durchzugehen und abzufragen, was in der Praxis aber auch aus praktischen Überlegungen heraus kaum zumutbar oder möglich wäre.

Vorteile des erweiterten Untersuchungsumfangs

Der erweiterte Untersuchungsumfang beim Vaterschaftstest hat sich bei uns über die Jahre – parallel zum technischen Fortschritt – entwickelt und in der Routine bewährt. Unser Standardgutachten bietet mit 23 Markern deutlich mehr als die Mindestanforderung der Richtlinien von jetzt 15 STR-Systemen. Und genau dieses Plus an Information bietet entscheidende Vorteile. Da bei den neuen, größeren Untersuchungsumfängen genetische Besonderheiten wie z.B. Mutationen nicht mehr so selten beobachtet werden wie früher, können wir mit den 23 Markern in diesen Situationen trotzdem ohne zusätzliche Untersuchungen ein beweiskräftiges Ergebnis bei den statistischen Auswertungen erreichen. Das bedeutet, dass in der Regel auch bei Auftreten einer Mutation im Vaterschaftstest Wahrscheinlichkeiten (W-Werte) von über 99,9% erreicht werden können, was das verbale Prädikat „Vaterschaft praktisch erwiesen“ zulässt.

Auch nahe Verwandte des untersuchten Mannes können, wenn keine Ausschlüsse bzw. Mutationsereignisse gefunden werden und auch die Mutter mit einbezogen wurde (sog. Trio-Fall), bereits durch mathematische Methoden ausgeschlossen werden. Dies ist ebenfalls ein wichtiger Vorteil, da ein Bruder als zusätzlicher möglicher Vvater immer wieder gerne – oftmals wahrscheinlich nur als Schutzbehauptung – nach Fertigstellung des Gutachtens ins Spiel gebracht wird. Mit dem Standardgutachten sind auch in diesen Fällen in aller Regel beweiskräftige Ergebnisse ohne zusätzliche Untersuchungen und damit auch ohne Verzögerung oder zusätzliche Kosten möglich. Der Vaterschaftstest wird durch den erweiterten Untersuchungsumfang insgesamt sicherer und aussagekräftiger.

Manipulationen und Fehler vermeiden

Besonders wichtig erscheint uns – aufgrund der immer wieder aufgetretenen Täuschungs- und Manipulationsversuche – eine sichere Organisation der Probenentnahme sowie die sorgfältige Identitätssicherung beim Vaterschaftstest. Soweit die Beteiligten in unserem Einzugsgebiet leben erfolgt die Entnahme in unserem eigenen Institut durch einen der Sachverständigen. Externe Probenentnahmen werden grundsätzlich bei Ärzten oder anderen Sachverständigen durchgeführt. Dadurch werden auch unbeabsichtigte Fehler bei der Entnahme verhindert. Das Probenmaterial wird in diesen Fällen direkt von uns an die Entnahmestelle versandt. Nach erfolgter Probenentnahme und dokumentierter Identitätssicherung schickt die Entnahmestelle das Material wieder direkt an uns zurück. So können Manipulationen am Ergebnis des Vaterschaftstests weitestgehend vermieden werden. Es bleibt in jedem Fall nachvollziehbar wann, wo und durch wen die Entnahme durchgeführt wurde.

Unser Standardgutachten hat also letztendlich ein besonders gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und bietet Qualität, Service und Leistungen, die mit Billigangeboten anderer Anbieter oft nicht erreicht werden können. Man darf dabei nicht außer Acht lassen, dass ein Vaterschaftstest, auf dessen Aussage ein Gerichtsurteil basiert, in aller Regel sehr weitreichende persönliche, finanzielle und auch rechtliche Konsequenzen für die Familien hat. Daher ist hier ganz besonders auf Qualität zu achten – nur so können sich die Beteiligten ein Leben lang auf das Ergebnis des Vaterschaftstests verlassen.

Wir hoffen, Sie überzeugt zu haben und stehen Ihnen gerne auch persönlich jederzeit zur Beratung in Abstammungsfragen zur Verfügung.

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