Anerkennung der Vaterschaft: Wie häufig sind eigentliche „Kuckuckskinder“ beim Menschen?

Ganz der Papa…?

Immer wieder taucht in Gesprächen mit unseren Kunden, die zum Beispiel vor der Anerkennung einer Vaterschaft stehen sowie auch auf wissenschaftlichen Tagungen die Frage auf, wie häufig eigentlich „Kuckuckskinder“ bei uns sind. Beim Menschen bezeichnet man damit Kinder, die – ohne dass der Vater oder das Kind davon wissen – in einer familiären Beziehung zu einem Vater aufwachsen, der aber nicht Ihr biologischer Vater ist.

Es ist schwierig hier verlässliche Zahlen zu nennen, daher möchten wir Ihnen kurz die wenigen Links zur Verfügung stellen, die zu einigermaßen seriösen Beiträgen zum Thema führen (s.u.).

Die bei der Recherche auffindbaren Ergebnisse sind dabei nicht einheitlich und schwanken sehr je nachdem aus welcher Region sie stammen, ob weitere Parameter mit erfasst wurden, oder ob z.B. die Grundvoraussetzungen analysiert wurden. Es ist z.B. grundsätzlich laut einer Meta-Analyse aus dem Jahre 2006 so, dass die einzelnen Ergebnisse zwischen o,4% (bei jüdischen Priesterkindern, vgl. 2.) und fast 12% (in einer Region in Mexiko, vgl. 2.) schwankten. Diese Werte beziehen sich allerdings auf Fälle, in denen die „paternity confidence“, also das „Vertrauen in die eigene Vaterschaft“ relativ hoch ist. Wenn jedoch die Männer, die an einer Untersuchung teilgenommen haben, bereits vor dem Vaterschaftstest Zweifel an Ihrer biologischen Vaterschaft hatten, dann bestätigten sich diese Zweifel deutlich häufiger: hier gibt es Studien, die in Deutschland 17%, in Russland 15% aber in Schweden und den USA Ergebnisse von >50% gefunden haben wollen.

In der unten aufgeführten Meta-Analyse wurden die Ergebnisse auch noch zusammenfassend analysiert. Dabei ergaben sich in Fällen, in denen die Männer viel Vertrauen in Ihre Vaterschaft hatten, lediglich in 1,9 – 2,9% Kuckuckskinder (geographisch gepoolt, siehe 1.). Dieser Wert ist zwar weit entfernt von den sonst oft geschätzen 10% – allerdings kann man sich anhand der verschiedenen Zahlen der Meta-Analyse am besten selbst einer der Regionen und Bedingungen zuordnen, um eine Einschätzung der eigenen Situation vornehmen zu können. Bei niedriger „paternity confidence“ (also zweifelnden Vätern) ergab sich im Mittel immerhin eine „Kuckuckskinderquote“ von 29,8%. Aufgrund der teilweise geringen Untersuchungsumfänge und bei einigen Studien sogar unbekannten Methoden sind die Zahlen aber immer mit etwas Vorsicht zu betrachten. Einen besseren Überblick haben wir jedoch bisher nicht finden können. Den Link zum Artikel in „Current Anthropology“ finden Sie in der Fußnote (englische Sprache).

Anhand der vorliegenden Daten sollte also jeder für sich selbst entscheiden, welche Zahlen für die eigenen Umstände am ehesten zutreffen. Ganz klar wird aber, dass in Fällen, in denen Männer Zweifel haben, eine Klärung durch einen Vaterschaftstest vor einer Anerkennung grundsätzlich empfehlenswert ist. Nicht zuletzt auch dem Kind gegenüber haben die Eltern eine Verpflichtung, die Vaterschaft eindeutig zu klären, da das Kind ein Grundrecht auf Kenntnis seiner Abstammung hat.

Quellen:
1. Meta-Analyse aus 67 verschiedenen Studien, 2006 in „Current Anthropology“ veröffentlicht mit dem Titel „How Well Does Paternity Confidence Match Actual Paternity?“ (externer Link)

2. Artikel im Handelsblatt zum Thema Kuckuckskinder vom Mai 2011 (externer Link)

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